Verbundenheit: Von ganzem Herzen – auch unter Schmerzen
Gottes Gegenwart, seine Herrlichkeit und Güte ist in schmerz- oder notvollen Situationen NICHT eingeschränkt! Im Gegenteil: Weil Gott solch ein fürsorglicher Schöpfer ist, wecken Krisen, Notsituationen und bedrohliche Entwick-lung noch mehr Gottes Liebeseifer für seine Geschöpfe frei!
Wenn wir erneut über Verbundenheit schreiben, dann wissen wir, dass eine Auseinandersetzung mit diesem Thema oft sehr schmerzhaft für uns ist. Wir alle sehnen uns danach, uns mit anderen verbunden zu wissen und wir alle haben Erfahrungen machen müssen, in denen wir uns allein und unverbunden gefühlt haben und uns scheinbar allein „durchschlagen“ mussten. Gott sieht diesen Schmerz und er möchte ihn heilen. Das wird nicht von heute auf morgen möglich sein, denn wir sind gefragt, uns auf einer tiefen Ebene unseres Seins noch einmal zu öffnen, uns auf Prozesse miteinander einzulassen und verletzbar zu werden, damit Tiefe entsteht. Da erfahren wir Heilung, die das Leben nachhaltiger verändert. Gelebte Heilung wird uns als Leib Christi dreieinig, mit Gott, uns selbst und mit Gefährten im Reich Gottes tiefer verbinden und dadurch neue Dimensionen eröffnen. Und das ist bedeutsam für das Jahr 2025!
Die nachfolgenden Beiträge sind prophetische Hinweise aus unseren Erfahrungen, die wir als Einzelne und als Team der Prophetischen Seite miteinander gemacht haben. Ihr findet also viel „Biografisches“ von uns zwischen den Zeilen.
Der Schmerz, missverstanden zu werden (Alexander Schlüter)
Kennt ihr das Gefühl, nicht richtig verstanden oder gar missverstanden zu werden? Wir nehmen eine Perspektive ein, haben einen Blick auf eine Entwicklung oder Sachverhalt, durchdenken etwas immer wieder und investieren dann auch noch unser Herzen, und unser Gegenüber sieht alles völlig anders. „Aber...“ setzen wir an, um unseren Standpunkt deutlich zu machen und eigentlich wollen wir unser Herz mitteilen, doch unser Gegenüber merkt das nicht, steht ganz woanders, widerspricht und nimmt vehement eine andere Position ein. „So meine ich das gar nicht…“ versuchen wir es noch einmal erneut. Doch wir merken, es entsteht keinerlei Verbindung. Das tut weh. Es ist nicht die andere Sichtweise, die uns zu schaffen macht. Es ist vielmehr die fehlende Verbundenheit zu unserem Gegenüber und das Gefühl, nicht verstanden, ja nicht erkannt zu werden, unser Herz mit dem anderen nicht ver-binden zu können, was schmerzt.
Einsamkeit von Leitern (Simone Demsky)
Manchmal prägen noch alte Mythen unsere Art, wie wir Berufung leben. Einer dieser Mythen ist, dass Leiterschaft bedeutet, an der Spitze einer Organisation oder Gemeinde einsam sein zu müssen. Leiterschaft ist mit einem stän-digen Schmerz der Einsamkeit verbunden: Wem kann ich trauen, wer ist wirklich an meiner Seite jenseits der Rolle? Wer ist bereit, Last mitzutragen, unabhängig von den Vorteilen? Wer ist bereit, dicht an mir zu sein, und wem traue ich zu, dass Gott durch ihn oder sie in mein Leben spricht?
Das System von Gemeinde oder kirchliche Strukturen, meine Positionen und Autorität in einem Amt werden mir zum Götzen, wenn sie meine Identität stärker bestimmen als die Berufung, zunächst anderen Schwester oder Bru-der zu sein. Dieser Götze frisst sogar Ehen und Partnerschaften. Zu oft haben wir unsere Familien geopfert, um unseren Dienst durch sie zu stabilisieren.
Ja, wer Verantwortung übernimmt, ist von Gott berufen und lebt aus der Abhängigkeit zu ihm allein. Dass diese Abhängigkeit und Berufung sich aber in erster Linie in Abhängigkeit und dem Ruf zur Rechenschaft in Verbundenheit zeigt, das lehrt mich die Ent-täuschung. Die Täuschung fliegt auf: Gott zerbricht falsch verstandene Berufung zur Leiterschaft, um uns wieder beziehungsfähig zu machen. Er will mich Vertrauen lehren. Nur da, wo ich in Verbun-denheit wachse, werde ich meiner Berufung zur Leiterschaft gerecht. Eine Herzenswende begann, als der Schmerz, dass ich dem nicht genüge, noch größer war als der Schmerz der Einsamkeit. Es ist Anteil an Gottes Schmerz über seine Gemeinde und über seine Kinder, mich eingeschlossen.
Gottes Geist kann und will transformieren - mich in meiner Verantwortung in der Gemeinde, uns in kleinen Übungs-gruppen, als Weggefährten. Es reicht bis in das Verständnis von Gemeindekultur hinein und in die Erwartung einer starken, unfehlbaren Führung im Gesellschaftsbereich. Für eine gelingende Zukunft werden wir davon abhängig sein, wie sehr wir uns von Gott in Verbundenheit führen lassen. Ich möchte, dass diese Zukunft heute in meinem Herzen zu leben beginnt.
Gemeindezerbruch (Kathrin u. Werner Bender)
Wie Jeremia 19,11 (Zerbruch Jerusalems) fühlte es sich an, als meine Gemeinde zerbrach; wie ein Scherbenhaufen, der sich nicht mehr zu dem schönen Gefäß zusammensetzen ließ, das es mal war. Es brauchte Mut, diesen Scher-benhaufen anzusehen und den Schmerz darüber zuzulassen: Freundschaften erwiesen sich als zerbrechlich, Visio-nen als flüchtig und instabil wurde das, was wir früher als „Familie und Zuhause“ betrachteten. Zurück blieben schmerzvolle Tränen und Fragen, auf die es keine einfachen Antworten gab. Mit der Zeit offenbarte Gott uns, dass tiefe Verbundenheit zu Menschen nicht entstanden war, sondern der Dienst im Vordergrund gestanden hat. Schmerz, seelisch wie auch körperlich, ist etwas, wo wir schwach sind und echtes Miteinander der Herzen entsteht da, wo wir Fehler eingestehen und Schwäche voreinander zulassen und zeigen.
Der Vers aus Römer 8,39 „weder Hohes noch Tiefes können uns von der Liebe Christi scheiden“ hat mich mitten im Schmerz zutiefst mit Wahrheit und Leben gefüllt. In keinem Moment war Gott nicht da! Selbst wenn mir meine eigenen Gebete manchmal seltsam „hohl“ vorkamen, war Er doch da! Und ich spürte auch in Träumen: Du bist nie allein! Wir erlebten dann, wie Gott uns Menschen an die Seite stellte, die uns z.T. kaum kannten, aber Verbunden-heit zu uns uneingeschränkt lebten. Ohne zu hinterfragen waren sie einfach FÜR uns und für uns da, trugen uns im Gebet, gaben Rat, ohne zu belehren, trugen Schmerz mit und begegneten uns mit offener Zugewandtheit und Für-sorge. Im Kern strebt echte Verbundenheit nicht Nutzen, Effizienz oder ein Ergebnis an.
Rückblickend erkennen wir, dass wir in dieser Zeit Schmerz erlebten, aber in dem Durchleben des Schmerzes auch ein Übergang war, in eine neue Zeit, in die wir mit neuer, durch den Schmerz gewonnen Reife gehen können.
Ohnmacht und Schmerz über Systeme (Werner Geischberger)
In Frankfurt sah ich eine „Fridays for Future“-Demo und spürte den Schmerz der Demonstranten darüber, dass sie Systemen ausgeliefert sind: die Übermacht des Apparats, wirtschaftliche Interessen u.v.m. Sie fühlen sich unver-standen und verraten.
Auch in der geistlichen Landschaft sind Systeme und Gleichförmigkeiten entstanden, die Verbundenheit suggerie-ren. Wo ist das Ursprüngliche geblieben? Sehnen wir uns nicht nach authentischen Gottesbegegnungen? Überde-cken gleichförmige Gemeinde- und Leitungsstrukturen nicht das „Eigentliche“ bzw. lenken davon ab? Ich spüre den Schmerz von Christen, die das Echte suchen: Wie sieht meine Beziehung zu Gott aus? Wie sieht echte Verbunden-heit als Geschwister untereinander aus? Wie sieht Gemeinde aus?
Freundschaft, die wie Verbundenheit aussieht: Viele von uns machen die Erfahrung, dass Freundschaften in Ge-meinden in Krisenzeiten oft überraschend schnell zerbrechen. Warum? Wir waren so mit Dienen beschäftigt, dass keine Zeit war, herzenstief zu bauen. Der Dienst schweißte zusammen, doch für eine echte Herzensöffnung war keine Zeit. Voreinander schwach sein, Fehler eingestehen, bekennen, dass man „blank“ ist – all das wären Voraus-setzungen für echte Herzensverbundenheit unter Christen. Möglicherweise scheuten wir auch die Verletzbarkeit.
Auch Nutzendenken spielt eine Rolle: Echte Verbundenheit ist kein Wert, der einen Nutzen hätte. Sie ist nicht akti-vistisch; sie zeigt keine unmittelbare Wirkung; deshalb wird sie in einem (christlichen) nutzen- und erfolgsorientier-ten Denken und „Machertum“ oft nicht als Wert gesehen.
In der Dunkelheit sprießt Neues auf (Simone Demsky)
Es wäre zu einfach zu sagen, dass Schmerz immer heilsam ist. Ich habe in der Dunkelheit erlebt, dass etwas Neues zum Wachsen kommt, weil ich meine Wurzeln umso tiefer in die Erde Jesu gesteckt habe. Das hat etwas Trotziges im besten Sinne, an Gemeinde und Leiterschaft festzuhalten, einfach weil ER es gesagt hat. Einfach aber ist es nicht. Jedes Gefühl von Einsamkeit ist einmal mehr ein Hinweis, die bedingungslose Gegenwart Gottes und seine Idee von Verbundenheit noch nicht vollständig erfasst zu haben. Wenn es mir gelingt, diesen Hinweis dankbar mit Jesus zu bewegen, muss er mir zum Besten dienen.
Drei Einsichten, geboren in heftiger Schmerzenszeit (Markus Egli)
Zwar schmerzhaft, ist es dennoch eine Gnade, zu erkennen, was ich aus eigener Kraft nicht vermag. Stolz vernebelte mir den Blick, dass wahrhaft Großes nur gemeinsam und gemeinschaftlich mit Gott erreicht wurde. Erst durch schmerzhaftes leerer werden konnte ich erfassen, welch umfassender Gnaden- und Liebesausfluss von Gottes Herz für jeden bereit ist, mich eingeschlossen. Eine meiner wichtigsten Erkenntnisse war: Obwohl ich Leidender ein Häuf-chen Elend war, war ich immer noch Mensch und für den Schöpfer Gegenüber. Erst nach Monaten erkannte ich, dass ich mich an Gott festhalten oder mich vom Glauben der guten Tage abwenden kann. Dem gegenüber kann der heldenhaft hingebende Narzisst, der ich teilweise auch war, den herrlichen Aspekt Gottes, welcher in Selbstlosigkeit wohnt, nie erkennen und erfahren.
Heute spricht der Herr nichts – komisch: Dies wurde der Anfang einer wichtigen Offenbarung! Nicht nur, dass ich zu viel gesprochen habe, sondern dass ich auch zu vielen Gedanken aus meinem eigenen Herzen nachgehangen bin. Dann kam der Satz zu mir: Wer auf dieser Erde die Schmerzen zu geringachtet, der wird später mit hochrotem Kopf an den Riemen seiner Lebensjahre ziehen, um selbst für seine Gesundheit kämpfen zu müssen.
Ein wichtiger Reifeschritt ist es zu lernen, wann ich zu reden und wann ich zu schweigen habe. Wenn Menschen oder ich selbst mich anklagen (du hast nicht genug, du solltest…), meine Rechtfertigungen nicht weiterhelfen, musste ich prüfen, ob hinter dem Konflikt nicht Verlustängste und Selbstgerechtigkeit verborgen sind. Durch solche Art von Beziehungsstress dämmerte mir, dass Jesus meine Selbstgerechtigkeit ans Kreuz getragen hat und deshalb seinen Anklägern gegenüber still war. Stillhalten wurde mir ein Jesus-Anker inmitten von Schmerzen.
Wir als Team meinen, dass die Zeit reif ist, Unrecht mit hartnäckiger Liebe zu beheben. Diese Art von Liebe wird durch Verbundenheit freigesetzt und gilt für Freunde und Feinde gleichermaßen. Solch tiefgreifende Veränderun-gen unserer Herzen können Vorboten einer kommenden Erweckung sein: „Herr, erwecke in uns ein Herz nach Dei-nem Herzen“.
Mit herzlichem Gruß,
Das Prophetische Team vom Wächterruf
Alexander Schlüter, Katrin und Wernern Bender, Simone Demsky, Anna Dicken, Werner Geischberger, Holger und Claudia Genzmer, Alexandra Weber, Markus Egli
Als Anlage zu dieser prophetischen Seite seid ihr gerne eingeladen, die Vision „Ein Sturm schlägt göttliche Schneisen“ herunterzuladen.