Der gute Hirte bringt uns zur Ruhe

Ich hatte ein Bild vor Augen: eine riesengroße Schafsherde, und mitten unter den Schafen steht der Hirte. Alle Schafe schauen auf ihn und fragen sich: Wo soll es hingehen? Doch der Hirte führt seine Schafe nicht zuerst in die nächste Aufgabe, sondern in die Ruhe. In dem Bild standen die Schafe schließlich im Stall. Sie waren still, und ihr Blick war ganz auf den Hirten gerichtet. Dann begann er, jedes einzelne Schaf bei seinem Namen zu rufen. Und jedes Schaf, das er beim Namen rief, legte sich hin, ruhte aus und schlief. Jesus ist der gute Hirte, der uns immer wieder zu den Ruheorten führt. Er kennt jedes seiner Schafe ganz genau. Unser ganzes Leben ist in seiner Hand eingezeichnet – auch unser Weg, unsere Berufung und unser Dienst als Priester. Nichts ist ihm unbekannt und die Zukunft ist ein offenes Buch für Ihn. Er weiß, dass er mit uns am besten sprechen kann, wenn wir zur Ruhe gekommen sind. Vielleicht dürfen wir leise werden, um seine Stimme wieder zu hören. Seine Worte sind so zart, dass sie beinahe nur gehaucht sind. Und je mehr wir auf Jesus fixiert sind und mit ihm gehen, desto mehr lernen wir, Ihm ähnlich zu werden. 

Liebe Beter,

in diesen Zeiten sehe ich es nicht mehr als vordringliche Aufgabe, einen einheitlichen Kurs des Wächterrufs zu formulieren und für unser gemeinsames Gebet vorzugeben. Das wäre auch nicht möglich. Zu vielfältig sind die Eindrücke aller Fürbitter, was ein großer Schatz ist. Ihr wisst, dass es sowieso schon so viel Spaltung bezüglich der politischen Richtungen auch unter den Christen gibt und niemand, wirklich niemand, hat den perfekten Einblick in die komplexen Zusammenhänge. Da kann man sich im Grunde nur entscheiden, entweder alle Berührungspunkte von Glaube und konkreter Politik im Gebetsbrief auszuklammern oder im Gebet gemeinsam die Anliegen vor Gott zu tragen und parteipolitische Differenzen außen vor zu lassen. In den letzten Jahren hat Gott uns das Thema Verbundenheit besonders aufs Herz gelegt. Wir haben gelernt, trotz verschiedener Sichtweisen auf das Land und politischer Ausrichtungen, die Verbundenheit höher zu stellen. Dabei ging es wesentlich um unser Herz und eine neue Position in der Fürbitte. Auch wenn wir derzeit vieles nicht klar erkennen, was genau in unserem Land geschieht oder zu tun ist, schätzen wir diese Phase, weil sie uns hilft, näher zusammenzurücken und unser Miteinander auf ein neues Level zu bringen. Darüber hinaus lädt Gott uns ein: „Komm hier herauf!“ (Off. 4) Lasst uns gemeinsam aufsteigen und in seinem Geist auf die Dinge schauen, die für unser Land wichtig sind. In diesem Sinne: Nehmt unsere Artikel, die das Herz des jeweiligen Autors/Autorin widerspiegeln, als Anregung und Inspiration, um euch selbst vom Heiligen Geist in alle Wahrheit führen zu lassen. Vergesst nicht: „Wie fein und wie lieblich ist es, wenn Brüder und Schwestern in Einheit versammelt sind.“ (Ps 133,1) 

Alexander Schlüter