KI und die Suche nach einem anderen Menschsein
Die KI stellt uns vor ein Dilemma des Menschseins. Der Mensch sucht beständig nach Fortschritt und Erleichterung und zum ersten Mal erschafft er dabei etwas, das ihm in gewisser Hinsicht ähnlich ist. Gott hat den Menschen als sein Ebenbild geschaffen und ihn mit Vernunft, Vorstellungskraft, Freiheit, Kreativität und moralischer Verantwortung ausge-stattet. Nun tritt eine Technologie neben ihn, die Aspekte seines Geistes nachahmen oder übertreffen kann. Dazu ge-hören Sprache, Schlussfolgerung, Gedächtnis, Kreativität. Wir haben unser gesamtes gemeinsames Wissen einer Ma-schine anvertraut. Doch Wissen ersetzt keine Erfahrung. Menschsein heißt, Fehler zu machen, zu lernen und mora-lisch zu handeln. Heute gehen wir noch spielerisch mit KI um, weil sie unseren Alltag erleichtert. Morgen entscheidet sie vielleicht besser als wir, ist kreativer als wir, und irgendwann bestimmt sie mit, was moralisch richtig ist. Was geschieht nun, wenn der Mensch seine Fähigkeiten freiwillig abgibt, d.h. das Denken, Entscheiden, Schreiben, Erfinden, bis hin zum moralischen Abwägen? Denn was wir dauerhaft an eine Maschine delegieren, verlernen wir selbst.
Die Gefahr liegt also nicht allein darin, dass Maschinen und die Konzerne hinter ihnen immer mehr Kontrolle über In-formationen, Infrastruktur, Wirtschaft und militärische Sys-teme gewinnen. Sie liegt ebenso in uns selbst und in dem, was wir bereitwillig preisgeben. Und sie wirft die Frage auf, welche Verantwortung wir gegenüber dem tragen, was wir (mit)erschaffen? Wir alle sind (un)freiwillige Nutzer der KI. Diese Frage ist größer als Politik, Wirtschaft und nationale Interessen. Sie betrifft unser Menschsein.
Gebet:
Lasst uns den Geist der Weisheit hierzu befragen und mit Ihm ge-meinsam beten und in die Zukunft gehen. (Joh 16,13)
Alexander Schlüter