Für Deutschland beten – ein Perspektivwechsel

Für Deutschland zu beten beginnt oft mit dem Blick auf das Zeitgeschehen: auf Krisen, Entwicklungen und Schlagzeilen. Unsere Wahrnehmung füllt sich so schnell mit dem, was fehlt oder bedroht ist. Doch führt uns diese Art des Sehens wirklich weiter, wenn es um Fürbitte geht? Oder lädt Jesus uns ein, anders zu beten – aus einer Tiefe heraus, in der sich unsere Wahrnehmung verwandelt. Vielleicht darf Fürbitte einen neuen Ausdruck finden. Nicht nur das Benennen von Problemen, sondern ein Eintreten in Räume, in denen wir neu sehen lernen. Jesus lädt uns in solche Räume ein – weg von der Fixierung auf das Offensichtliche, hin zu dem, was Gott sieht. Wir können die Probleme nicht auf dieselbe Weise lösen, wie sie entstanden sind. Darum brauchen wir einen Perspektivwechsel. Unser In-Christus-Sein – an himmlische Orte versetzt – ermöglicht uns, nicht von der Problemebene aus zu denken. Nicht den täglichen Medienberichten nachzufolgen, sondern einer Perspektive der Erlösung Raum zu geben. Bei Jesus nehmen wir unweigerlich einen Atmosphärenwechsel wahr: einen Raum von Frieden, Weite und Barmherzigkeit.

Unsere Wahrnehmung füllt sich so schnell mit dem, was fehlt oder bedroht ist.

Ganz schlicht können wir beginnen, Jesus mit unserem Atem zu verbinden: Einatmen – seine Gegenwart. Ausatmen – unsere Angst. Den Christus wahrnehmen, der alles im Griff hat und dessen Herrlichkeit nicht nur über uns, sondern in uns wohnt. Es geht um einen Wahrnehmungswechsel: Jesu Trost für unser Land zu spüren, seinen Frieden, der tiefer reicht als politische Lager und Ermüdung. Wir dürfen loslassen – Traurigkeit, Scham, Tränen. All das hat Raum bei Jesus. Er trägt, was wir nicht mehr tragen können. So wird Fürbitte nicht von Angst getrieben, sondern getragen von Vertrauen. Lasst uns Jesus bitten:

Für einen Perspektivwechsel:

dass wir aus der Enge gewohnter Sichtweisen heraustreten und lernen, Wirklichkeit aus Gottes Weite zu betrachten. (Ps 118,5)

Für geöffnete Augen des Herzens:

damit wir sehen, was Gott sieht, sensibel für sein Wirken. (Eph 1,18)

Für Innovation:

dass schöpferische Wege entstehen.

Für Augen, die Gottes Wirken erkennen:

besonders dort, wo es verborgen oder unerwartet ist.

Für Dankbarkeit:

dass unser Blick sich weitet für das Gute, das bereits da ist, und Hoffnung Raum gewinnt. (Ps 50,23)

Für Zusammenarbeit mit dem Geist der Weisheit:

dass unser Denken, Entscheiden und Handeln von Gottes Geist durchdrungen wird. (Spr 8,1ff)

Alexander Schlüter