Vier Jahre Krieg: Ein geistlicher Kampf um Europa
Seit der Besetzung der Krim 2014 durch Russland lehren Kirchenleiter in der Ukraine über eine nationale Transformation, die tiefer geht, als Krieg und Besatzung zu beenden. Während die öffentliche Diskussion in Europa fast nur über Waffenlieferungen geht, legen sie die geistlichen Grundlagen für institutionelle Reformen der Regierungsführung, Wirtschaft und Gesellschaft. Sie bauen auf erfolgreichen Erfahrungen der Wendezeit in Ländern wie Polen und dem Baltikum auf und verweisen auf die christlichen Grundlagen im Nachkriegseuropa, die heute immer mehr ausgehöhlt werden. Putin begründet seinen Krieg mit dieser Dekadenz Europas, stellt sich als Anführer des „Dritten Rom“ und Verteidiger des Christentums dar und sieht Kiew als geistliches Zentrum eines russischen Großreiches. Gegen die missbräuchliche Stützung des Krieges durch die russisch-orthodoxe Kirche erklärte 2019 die ukrainisch-orthodoxe Kirche ihre Unabhängigkeit von Moskau. Angesichts dieser Konfrontation mit einem religiös unterfütterten Krieg hinterfragen Kirchenleiter der Ukraine die im Westen gängige liberale Auffassung, Glaube und Politik voneinander zu trennen. Eine Schlüsselrolle bei der Transformation des Landes spielt die ukrainische griechisch-katholische Kirche (UGCC) mit einer Theologie des öffentlichen Raumes, deren Kernbotschaft angesichts der Besatzung lautet: Die nationale Erneuerung beginnt mit Dir und Deinem Haus, damit die Nation widerstandsfähig wird und eine freie, gerechte und florierende Gesellschaft wieder aufgebaut werden kann.
Gebet:
- Dank für die Widerstandskraft der Ukraine und die Vorbildfunktion ihrer Kirchen (1Sam 2,3-10)
- Dass Europa sich in Demut wieder auf Christus gründet, der es stark gemacht hat (Jer 3,22)
- Dass der Gott der Bibel dem Missbrauch Seines Namens durch Putin und seine korrumpierte Kirche widersteht, Einhalt gebietet und die Waffen schweigen (Eph 6,12)
Karin Heepen