Epochenwandel – Leben und beten in Gottes Zeit
Wir leben in einem spürbaren Epochenwandel. Globale Spannungen nehmen zu: die Krise um Grönland, der anhaltende Krieg in der Ukraine, die Verschiebungen einer Weltordnung. Viele Menschen empfinden angesichts dieser Entwicklungen Ohnmacht, Überforderung oder innere Müdigkeit. Die Welt wirkt komplexer denn je – und scheint oft unlösbar.
Und doch geschieht zur selben Zeit etwas anderes. Überall entstehen neue Wege, neue Lösungen, neue Denkansätze. Sie sind nicht immer laut, nicht immer sichtbar, aber sie sind da! Unsere Aufgabe als Beter ist es nicht, nur die Krisen zu analysieren, sondern zu fragen: Was tut Jesus mitten in dieser Zeit? Wo wirkt Gott jetzt?
Als Christen leben wir nicht ausschließlich in der getakteten "Chronos-Zeit" – jener Zeit des Drucks, der Eile, des „Nie-genug“. In der griechischen Mythologie frisst Chronos seine eigenen Kinder: Zeit wird zum Stressfaktor, zum Opfer. Doch Gott ruft uns in eine andere Wirklichkeit: in "die wohlangenehme Zeit“, den Kairos – die von Gott geschenkte Gnadenzeit (2Kor 6,2). Eine Zeit voller Möglichkeiten, Durchbrüche und offener Türen. Überall – soweit das Auge reicht!
Kairos ist die Zeit, in der Gott handelt. Eine Zeit, in der er spricht: „Siehe, ich mache alles neu.“ (Off 21,5) Diese Verheißung gilt nicht nur für die Kirche, sondern für Gesellschaft, Wirtschaft und Politik. Wir sind mit Gott zusammen "Neu-Macher". Dieser Blick heilt unsere Perspektive und bewahrt uns davor, im Krisenmodus stecken zu bleiben.
Und wir haben Zugang zur Weisheit Gottes. Sie reicht tiefer als politische Strategien, wirtschaftliche Macht oder technologische Visionen. Sie ist klüger als Trump, Putin, Elon Musk oder die EU – und sie steht uns zur Verfügung (1Kor 1,30). Diese Weisheit schenkt Unterscheidung, Mut und Hoffnung. Sie hilft uns, Gelegenheiten zu erkennen, wo andere nur Sackgassen sehen. Darum beten wir nicht aus Angst, sondern aus Vertrauen. Nicht aus Ohnmacht, sondern aus der Gewissheit, dass Gott in dieser Zeit handelt.
Lasst uns beten, dass wir die Kairos-Momente Gottes in diesem Jahr erkennen – jene von ihm gesetzten Zeiten, in denen sich Türen öffnen und Neues möglich wird (Off 3,8). Mögen unsere Augen sich lösen von der ständigen Ablenkung durch Nachrichten und Aufgeregtheit, damit wir lernen, „Informationen vom Himmel“ zu empfangen.
Lasst uns einwilligen in neue Denk- und Herzensprozesse, in denen unser volles Potenzial in Christus sichtbar werden darf. Dem Getriebensein dieser Zeit setzen wir bewusst Ruhe, Klarheit und Vertrauen entgegen. Wir verankern uns in „Gottes Zeit“, in seiner Gnade – nicht passiv, sondern wach, hoffnungsvoll und handlungsfähig. Gott ist der, der alles neu macht. Und wir sind nicht hier, um nur zu überleben, sondern um mit ihm zu gestalten. Für das 27. „Wächterruf-Jahr“ rufen wir: Vater, lehre uns, in deiner Zeit zu leben. Öffne unsere Augen für das, was du jetzt tust. Und forme mit uns zusammen Neues. Dein Wächterruf
Alexander Schlüter