Pathologisierung des Ich
Immer mehr Menschen deuten normale Lebensregungen als psychische Störung. Trauer, Stress oder Überforderung gelten nicht mehr als Bestandteil menschlicher Erfahrung, sondern als Diagnosekandidaten. Der öffentliche Diskurs – befeuert durch soziale Medien – popularisiert Begriffe wie ADHS, Trauma oder Narzissmus und verflacht zugleich ihre klinische Bedeutung. Studien zeigen: Die Diagnoseschwelle sinkt, Selbstdiagnosen nehmen zu, während tatsächliche psychische Erkrankungen teilweise verharmlost werden.
Fachleute warnen vor einer therapeutisierten Kultur, in der Psychotherapie zum Standardangebot wird und Diagnosen Identität stiften. Das führt zu überlasteten Versorgungssystemen und zu einer Sicht auf den Menschen, die komplexe Gefühle vorschnell medizinisiert. Nicht jede Krise ist eine Krankheit; nicht jeder Schmerz verlangt eine Therapie.
Als Christen wissen wir: Der Mensch ist mehr als seine Verletzlichkeit. Gott lädt uns ein, in unserer Schwäche zu Ihm zu kommen. Und er lädt uns ein, Ihm darin zu begegnen. Lasst uns für eine Gesellschaft beten, die zwischen echter Krankheit und normalem Menschsein wieder unterscheiden lernt und dass wir als Jesus-Nachfolger darin als lebendige Zeugnisse und Vorreiter fungieren und Hilfestellung, sowie Orientierung geben können.
Gebet:
- Für die junge Generation, die Orientierung sucht (Mt 7,7; Joh 10,10)
- Dass das Evangelium der Erlösung und Errettung in unseren Herzen praktisch wird (Jes 53,4-6; Röm 1,16)
- Für eine Zunahme der Zeugniskraft und „Leuchtturm-Funktion“ des Leibes Jesu (Mt 5,13ff, Mt 9,35ff).
Tanja Frank