Einsamkeit – die stille Pandemie

Einsamkeit ist eine stille Pandemie, die sich immer weiter quer durch alle Altersgruppen, Kulturen und Gesellschaftsschichten ausbreitet. Einsamkeit macht krank. Sie greift Herz, Seele und Körper an. Und sie frisst sich wie ein Schatten in das soziale Gefüge unserer Gesellschaft. Eine Studie der Bertelsmann Stiftung (2024) zeigt, dass 57 Prozent der jungen Erwachsenen in der EU zwischen 18 und 35 Jahren sich einsam fühlen – zumindest moderat, viele aber auch stark. In Deutschland sind es 51 Prozent. 12 Prozent von ihnen fühlen sich „stark einsam“. Gerade junge Menschen klagen über verschlechterte soziale Beziehungen. Ihnen fehlt das Gefühl von Zugehörigkeit. Einsamkeit ist nicht einfach „allein sein“. Wir erleben sie mitten unter anderen. Sie ist ein Gefühl von Ausgeschlossensein, vom Mangel an Verständnis, vom Eindruck, nicht wirklich gesehen zu werden. So entsteht innere Leere, auch wenn das Umfeld voll ist. Besonders Jugendliche berichten, sie hätten „keine richtigen Freunde“ und erleben, neben Erschöpfung, den Verlust tragfähiger Beziehungen. Einsamkeit ist gefährlich. Sie schwächt das Immunsystem, erhöht das Risiko für Depressionen, Herzkrankheiten und Demenz. Studien zeigen, dass Einsamkeit sich gesundheitlich so belastend auswirkt wie Rauchen oder Übergewicht. Sie greift das innere Bild von uns selbst an, das Gefühl, wertvoll zu sein, gebraucht zu werden und irgendwo dazuzugehören.

Wofür können wir beten?

  • Für neue Formen von Gemeinschaft: Räume, in denen Menschen sich mit Ehrlichkeit, Verwundbarkeit und Authentizität begegnen. Nicht nur oberflächliche Kontakte, sondern echte Beziehungen. Das betrifft auch unsere Gebetsgruppen.
  • Für ein achtsames Miteinander, indem wir Mut haben einander zuzuhören.
  • Dass wir Gesellschaftlich neu denken: Einsamkeit ist nicht nur ein individuelles Problem, sondern auch Ausdruck einer Kultur, die Individualismus und Konsum höher gewichtet als echte Verbundenheit. Wir brauchen eine „Kultur der Nähe“.

Alexander Schlüter